Weltbekannter Schlagzeuger begeistert mit Takt
Pete Yorks Konzert in der Jahnhalle schlug ein — Der 64-jährige Star gab seine Erfahrung an Musiker weiter
  
Wer das Konzert des weltbekannten englischen Schlagzeugers Pete York in der Jahnhalle Forchheim erleben durfte, der konnte Applaus in allen Variationen hören. Von begeistert über ausgelassen bis hin zu stürmisch und frenetisch, zuletzt sogar völlig enthemmt.

Kurz nach seinem 64. Geburtstag hatte der Ausnahme-Drummer die rund 200 Zuhörer mit einem rhythmischen Feuerwerk aus den Sitzen gehoben. Berühmt wurde der sympathische Musiker, der auch als amüsanter Conferencier das Konzert in Deutsch und Englisch moderierte, in den 60er Jahren durch die Spencer Davis Group. Später spielte er mit Eric Clapton, Deep Purple und derzeit mit Helge Schneider.

Seit 1984 lebt Pete York in Deutschland. Natürlich durften die Klassiker wie „Keep on running“, „I’m a man“, „Cocaine“, „The house of the rising sun“ oder „The thrill is gone“ nicht fehlen. Aber auch Blues, Jazz und Rock zelebrierte die lebende Musiklegende mit sichtbarer Spielfreude und schier endloser Energie. Außer Atem schien Pete York jedenfalls nie zu sein. Auch nicht, wenn er ohne Brille einen Calypso improvisierte und mit geschlossenen Augen sich ganz dem Rhythmus hingab.

Beat beim Naseputzen

Dieser Mann ist Beat durch und durch. Selbst die Nase putzte sich Pete York noch im Takt. Komödiantische Qualitäten bewies er zudem als Bauchredner. Bereits den Tag über hatte Pete York sein Wissen und seine Erfahrung in einem Workshop an andere Schlagzeuger weitergegeben. Michael Mauser, Chef der privaten Musikschule „Git.art.M. - Stätte der Musik,“ hatte erstmals dazu eingeladen. „Es ist wichtig mit guten Leuten zu arbeiten, mit alten Hasen, die dir viele Tricks beibringen können.“

33 Musiker aus Forchheim und der Region, darunter selbst ein Sechsjähriger, wurden an drei Schlagzeugen in die Geheimnisse des Instrumentes eingeführt. „Im nächsten Jahr wollen wir dieses Angebot sogar noch ausbauen.“ Die Band bestand teilweise aus git.art-Lehrkräften, den „Forchheim All-Stars“, wie Pete York ironisch anmerkte.

Wahre Bravourstücke

Am Bass gab Stefan Hiemer aus Nürnberg die Richtung vor. Der Argentinier Rodrigo Adaro sorgte an der Gitarre für die richtige Stimmung. Am Keyboard trumpfte Markus Schölch aus Hardheim auf. Der Mann mit den flinken Fingern setzte seine hunderte Tasten mit atemberaubender Geschwindigkeit regelrecht in Brand.

Special Guest war der Österreicher Bernhard Welz, der sich mit dem Altmeister ein rasantes Duell an den Sticks lieferte und den Part der Deep-Purple-Stücke übernahm. Auch ruhigere Nummern, in denen Pete York die Besen einsetzte oder wahre Bravourstücke an Virtuosität gab es zu bestaunen, wobei sich Pete York und Michael Mauser als Sänger abwechselten.

Mit unglaublich variantenreichem, nie ermüdenden Spiel zog Pete York zum Abschluss noch einmal alle Register und brachte seine Stöcke zum Glühen. Andächtig lauschten selbst die Bandmitglieder im Schatten der Scheinwerfer. Minutenlanger Beifall im Stehen. UDO GÜLDNER
25.9.2006 0:00 MEZ
 
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